Recht auf Sprache statt Deutsch als Pflicht

Sprachlosigkeit durch Migration

Wenn ein Kind in ein neues Land kommt, ist es am besten, wenn es gleich in die neue Sprachumgebung eintaucht, um die neue Sprache zu erlernen. Diese wohlbekannte Vorstellung wird in den letzten Jahren verstärkt ergänzt durch den Zusatz, dass Kinder ihre Muttersprachen weiter pflegen und entwickeln sollen.

Sprachwissenschafter betonen die Bedeutung der Muttersprache nicht nur für den Spracherwerb, sondern auch für den Wissenserwerb und die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit. Es ist nämlich nicht so, dass die unterschiedlichen Sprachen in „einzelne Fächer“ im Gehirn eingeordnet werden. Sprache ist vielmehr gehirntechnisch ein umfassendes Gesamtkonzept. Wer als Kind seine Muttersprache aufgibt, würde die neu zu lernende Sprache gleichsam auf dem Nichts aufbauen. Das Ergebnis wäre eine halbfertige Muttersprache, und eine schlecht erlernte Zweitsprache. Und zwei halbe Sprachen ergeben leider keine ganze.

Sprachlosigkeit durch Migration

ORF Österreich 1 | Moment Leben Heute, 2. Februar 2010, 14:40–14:55 Uhr

Die Ankunft in einem Land mit fremder Sprache kann unter widrigen Umständen einen Abbruch der Entwicklung der Muttersprache bedeuten. Gerade bei Kindern bewirkt dies dramatische Auswirkungen nicht nur auf die Sprachentwicklung, sondern oft auch auf die gesamte Persönlichkeit. Anders als beim Tausch von Wohnungen und Kleidern kann die neue Sprache nicht einfach die Rolle der bisherigen übernehmen. Sprachwissenschafter wissen um die Bedeutung einer kontinuierliche parallelen Weiterentwicklung der Muttersprache, nicht nur um in der neuen Sprache besser kommunizieren zu können, sondern auch um den Wissenserwerb insgesamt auf sichere sprachliche Beine zu stellen. (Lothar Bodingbauer)

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