Wie geht das denn? Kerzen gegen den Glauben

Eine zugegeben härtere Ecke einer etablierten überregionalen Glaubensgemeinschaft ruft über e-Mail ihre Mitglieder auf, Kerzen gegen die Errichtung eines Klosters einer anderen etablierten überregionalen Glaubensgemeinschaft anzuzünden. Liebe Freunde, wie kann man denn Kerzen gegen etwas anzünden? Das geht doch gar nicht! Das dürften die Versenders des Aufrufs auch registriert haben, sodass wenige Zeilen darunter die Aktion präzisiert wird. Die Kerzen wären für die Erhöhung der Zahl derer, die bei der Abstimmung innerhalb der Ortsgemeinde, gegen das fremdreligiöse Kloster stimmen würden. Ein gesegnetes Bravo an dieser Stelle.

Menschen in Afghanistan

Sehr schöne Bilder von Menschen in Afghanistan. Ein Land, das man nicht von unten kennt. Nur von außen, von Medienberichten, oder vom Flugzeug von der Asienroute, von oben.

Das Ei des Pythagoras

Wenn Sie gebeten werden, aufzuschreiben, was man mit einem rohen Ei alles machen kann, dann hätte das sehr viel mit Mathematik zu tun.

Sie können es rollen, schieben und heben; kratzen, durchpieksen, zergatschen; bemalen, polieren und umhüllen. Alleine für das Drehen gibt es drei mögliche Richtungen: längs, quer und hoch. Sie können das Ei auch veschwinden lassen, ob hinter einem Polster oder einem Buch würde ich eher als eine Möglichkeit sehen. Ihnen fallen aber sicher noch viele mehr ein.

Mathematisch zu denken bedeutet, vor Aufgaben wie dieser keine Scheu zu haben. Mathematiker versuchen nicht nur eine Lösung zu finden, sie schauen auch gerne, ob es die einzige ist.

Wenn ich Sie nun auch noch bitten würde, Ihre Liste zu ordnen, dann würden Sie sofort fragen, nach welchen Kriterien, und der Auftrag wäre, sie zu finden.

Viele der Arten der Eimanipluation sind umkehrbar, manche nicht. Die einen ändern die Farbe des Eies, die anderen nicht. Viele davon finden in der Fläche statt, manche in einer Grube. Manchmal fliegt was durch den Raum. Zeitweise ändert sich der Geruch dabei, oft auch das Gefühl an den Fingern.

Eine ziemlich spannende, erkenntniswirksame und durchaus lustvolle Angelegenheit ist es, wenn das mit einem gut ausgebildeten Lehrer angeleitet im Mathematikunterricht passiert.

Würde diese Aufgabe dort gestellt, wäre das Bildungsziel nicht die fertige Liste veschiedener Manipulationsmöglichkeiten und das Finden der einzig wahren Ordnung, sondern das Erkennen, dass Systematisieren eine gut trainierbare Fertigkeit ist, und dass es viele mögliche Arten für Ordnungen gibt, von denen man je nach Bedarf, Einfluss, oder Vermögen die eine oder andere davon wählt.

Im Unterricht würde zusätzlich die Fertigkeit trainiert, darüber zu reden, zu diskutieren, wonach man sucht, was einem fehlt, was weiterführende Fragen wären. “Fertigkeiten” werden im Bildungswesen Kompetenzen genannt. Ihre Bedeutung soll im zukünftigen Mathematikunterricht und abschließend bei der neuen Reifeprüfungung gestärkt werden.

Mathematik ist das Selektionsfach Nummer Eins in Österreich. Wer das Ziel nicht erreicht, wird vom weiteren Bildungsweg ausgeschlossen.

Aufgaben wie das Ei des Pythagoras verringern die Möglichkeit, mit Mathematik zu selektionieren. Das Ei des Pythagoras wäre ein Ei des Kolumbus im Bildungswesen, weil es fördern würde, statt auszusortieren. Die Eiaufgabe ist herkömmlich nicht benotbar.

Sie würden auch gerne “das Ei beschwören” ins Spiel bringen? In dieser Kategorie befänden sich auch “anbeten”, “verleugnen”, oder “es mit kleingeschriebenen Formeln vollzuschreiben”. Alles Möglichkeiten, die zu vergessen dann doch noch zu schade wäre, stehen sie doch für die bisherige Schulmathematik selbst.

Link zur Neuorientierung in Mathematik: Bifie.

Grube Südbahnhof

Epiphyten für die Ohren

Pflanzen, die auf Pflanzen wachsen. 6. Februar – 10. Februar: ORF Österreich 1 Radio “Vom Leben der Natur“, 8 Uhr 55

Gewächse ohne Bodenkontakt: Zu Gast ist der Botaniker Peter Hietz von der Universität für Bodenkultur in Wien. Er erzählt auch von der Bedeutung, im Regenwald nicht einfach nur auf Bäume zu klettern, sondern sich vorher gut zu überlegen, wie man sich zurückziehen will, sollte man dort oben plötzlich auf Regen, Wespen oder andere Schwierigkeiten stoßen.

Die Schatten einer Bäckerei

Bäckerei, Wien 10

Wortwahl in Bildungsfragen

Wissen – wissen, Können – können, Fragen – fragen. Die wichtigsten Begriffe der Bildung sind Hauptworte und Zeitworte gleichermaßen. Ob das ein Test für Verständlichkeit in Bildungsfragen ist? Mit diesen Begriffen kann man aber zugegebenermaßen schlecht herumkompetenzen. [Kurz noch diesen Text "gendern", dann geht er online.]

Hörtipp: Überwachungskameras im öffentlichen Raum

Hörtipp: Überwachungskameras im öffentlichen Raum

Wer mit offenen Augen durch die Landschaft geht, bemerkt viele offene elektronische Augen. Manchmal versteckt, meist offen sichtbar sind Überwachungskameras zu sehen. Sie schrecken ab und zeichnen auf, sie befriedigen ein Sicherheitsbedürfnis. Es gibt gesetzliche Regelungen, wer welche Kameras wo aufstellen darf, und wie lange ihre Bilder gespeichert werden. Dank ihrer Bilder können Kriminalfälle geklärt oder verhindert werden, Wissenschafter beschäftigen sich mit den aufgenommenen Bewegungsmustern menschlichen Verhaltens, und nicht zuletzt gibt es auch kritische Stimmen und Kunstprojekte, die sich mit der zunehmenden bedrohlichen Facette einer immer schatten- und lückenloseren Überwachungsgesellschaft beschäftigen. ORF Radio Österreich 1, am 31.01.2012 um 14:40 Uhr

Yesss!

Yesss!

Das Internet fährt gut im Moment. Konkret handelt es sich um das UPC Telekabel Fiber Power Ultra. Ja. Hält, was es verspricht. Support lupenrein. Empfehlung.

Logisch

Das richtige Weltbild ist von dem, der seines am schlüssigsten erklärt.

Weisheit kommt nicht automatisch

Weisheit ist, sagt Gerd Scobel im SWR2-Aula Gespräch mit Rolph Caspari, …

Kontextualisierung
Nachhaltigkeit
Abgrenzung zum Nichtwissen
Werterelativismus
Emotionswahrnehmung
Unterschied linearer und komplexer Systeme
Positionswechsel

Link zum Podcast

Podcast Tipps vom Wochenende

Im Philosophischen Radio. Mit Jürgen Wiedicke und Sibylle Lewitscharoff über Hans Blumenberg. Bemerkenswert. Logisch. Link zur Sendung
Diskussion zu möglichen Wechselwirkungen von Politik und Medien. Im Deutschlandfunk. Mit Andreas Stopp und Gästen: Peter Quay, Christoph Heinemann und Hans Leyendecker. Erhellend. Spannend. Link zur Sendung
Eher eine härtere Sendung: Depression, Selbstmord und die nicht erneuerte Schrotflintenlizenz. BBC Radio 4 Sendung iPM (Share what you know) vom 14. Jänner 2012. Link zur Sendung

Vom Reden hören und lesen

Wer sich für Rhetorik interessiert und einem Gespräch zuhören will, in dem einige prächtige Tricks verraten werden, dem möchte ich die neueste Ausgabe des CRE Podcasts empfehlen: Rhetorik. Diese Sendung ist insbesondere auch für Lehrer/innen interessant, geht es auch darin um das Können, Spannung aufzubauen und seine Argumente nicht sinnlos im Mittelteil zu verheizen. Link zur Sendung: CRE Ausgabe 190

Der zweite Tipp wird besonders für Englisch-Lehrerinnen interessant sein. Der Sprachwissenschaftler David Crystal schreibt über die “verschluckten letzten Worte”, in seinem Blogeintrag über Elocution – engl: die Sprechtechnik. Er meint darin, dass sehr oft die zu hohe Sprechgeschwindigkeit auf Unverständnis stoßen lässt.

Mathematik wird anders

Mathematik ist in Österreich nach wie vor eines der “schärfsten” Fächer in der Schule. Inhaltlich gibt es anspruchsvolle Themen, nicht alle haben Freude damit, und der Erfolg hängt neben der eigenen Anstrengung im besonderen Maße davon ab, wie gut die Lehrer/innen dieses Fach unterrichten. Jahrelang hat sich wenig daran geändert, doch spätestens mit der beginnenden Zentralmatura wird es spannend. Die Kompetenzen rücken in den Mittelpunkt: vom bloßen Vorrechnen kehrt man ab und wendet sich dem Reden und Reflektieren zu, über das Thema, über die Methoden, und über die Zusammenhänge.

Lothar Bodingbauer koordiniert Mathematik am Abendgymnasium Wien. Er beschreibt im folgenden Überblick die Neuerungen, die im Mathematikunterricht erwartet werden.

Das wichtigste ist die Auftrennung von Grundkompetenzen und Erweiterungskönnen. Wie im Eislauf – die Pflicht, und dann die Kür. Wir erwarten von den Studierenden, dass sie die grundsätzlichen Rechnungsarten und mathematischen Konzepte fehlerfrei beherrschen. Das sind die einfachen Beispiele, die einfachen Zusammenhänge, das was man als Handwerkszeug braucht. Vereinfacht gesagt – das ergibt im idealen Fall ein Befriedigend. Ohne Diskussion.

Darauf aufbauend können Lehrer/innen und Schüler/innen gestalten. Je nach Interesse, Können und Schwerpunktsetzung kann gelehrt, gelernt und geprüft werden. Hier ist Platz für das Spannende, das Eigenartige, das fein Ausgearbeitete, das Spezielle. Der Raum für Gut und Sehr gut.

Lehrer/innen sind gefordert, die Beispiele besser zu indizieren: um welche Inhalte geht es, und welche Kompetenzen können damit abgedeckt werden. Und Schüler/innen sind gefordert, besser zu beschreiben, was sie tun. Dieser kommunikative Aspekt des Lernen und des Tuns rückt überall in den Mittelpunkt. Wissenschafter bestätigen übrigens, wie wichtig das in ihrem Betrieb ist. Die Lehrpläne der Mathematik und Naturwissenschaften nehmen das auf: Schüler/innen sollen mit Experten und Interessierten über das sprechen, was sie rechnen und entwickeln.

Rechenfehler treten in den Hintergrund, das Sprechen über Wege und Zusammenhänge, mögliche Ergebnisse und Irrwege tritt in den Vordergrund.

Auch der Unterricht wird sich verändern: die Grundkompetenzen werden nach wie vor klassisch unterrichtet und gelehrt. Die Vernetzung, das Aufbauende jedoch, wird zunehmend von den Schüler/innen selbst entwickelt. Denn nur sie können diese Zusammenhänge herstellen. In Gesprächen mit den Lehrenden und allen anderen Beteiligten lernen sie die kommunikativen Aspekte in den Vordergrund zu rücken.

Die Mathematik wird also auch sozialer. Das ist ein guter Aspekt der kommenden Änderungen. Nicht mehr das fertige Beispiel ist das Ziel, sondern die Herausforderungen der Wege, die dort hin führen.

Damit stellen sich auch Herausforderungen für die Räume, in denen gelernt wird. Unsere Schule ist eine “kaiserliche Schule” aus alter Zeit. Sie funktioniert leider am besten, wenn vorne jemand steht, der laut spricht und Wissen ausruft. Die neuen Aspekte der Mathematik wollen aber gerade durch viele Menschen besprochen werden. Akustisch explodieren unsere Klassen aber noch, wenn mehr als drei Leute gleichzeitig reden. Schallmanagement heißt die Lösung: akustische Maßnahmen, die eine Klasse zu einem Wohnraum machen. Lichtmanagement heißt die Lösung: lichttechnische Maßnahmen, die von einer flächigen Beleuchtung hin zu Lerninseln führen. Soziales Management heißt die Lösung: wie können Studierende bei uns eine Mischung von Zuhören, reden, aufnehmen und präsentieren lernen, üben und perfektionieren – damit das Wissen und Können nützlich wird, andererseits auch durch gute Noten auf den Zeugnissen auch unmittelbar belohnt wird.

Sozialer wird es auch für die beteiligten Lehrer/innen. Durch die verlässliche Koordinierung der Grundkompetenzen ergibt sich die Zusammenarbeit automatisch. Freundlich formuliert. Etwas strenger formuliert: sie müssen zusammenarbeiten, und das ist gut so. Es gibt keine Einzelkämpfer/innen mehr.

Mathematik ist nach wie vor ein Selektionsfach. Leider. Das können wir nicht verleugnen. Matura gibt es nur mit Mathematik, Matura bedeutet: Zugangsmöglichkeiten zu höherer Bildung. Mit den neuen Maßnahmen der Kompetenzorientierung wollen wir das Fach jedoch vom blanken Selektionsaspekt abrücken, um Platz zu schaffen für das worum es geht: die Erweiterung des Könnens auf eine ganz spezielle, sachliche und analytische, sehr wohl eben auch kreative und kommunikative Ebene.

Mathematik ist eine wunderschöne Kunst, mit Zahlen und Symbolen, mit Strukturen und Objekten umzugehen und die Realität und das Virtuelle zu gestalten.

ZIB Protest, Weltuntergang und die Pflichten des Nachfragens

G Einen Film, der die Stimmen vieler beteiligte Redaktionsmitglieder zu einer einzigen Botschaft zusammensetzt, im Stil des großartigen Lip Dubs von Grand Rapid. Nicht ganz so optimistisch zwar, in jedem Fall aber: die Stimmung kommt rüber. Diese ORF Leute sind sauer.

Interessant dabei ist weniger der Anlass, die politisch motivierte Postenbesetzung für den Büroleiter des Generalintendanten durch den Generalintendanten, sondern die bis zu diesem Moment abwesende Öffentlichkeit an dieser Geschichte. Wieder einmal sind wir draufgekommen, dass wir uns viele Jahre vorher schon dafür interessieren hätten müssen.

Eine Parallele zum Weltuntergangsszenario 2008 drängt sich auf, das auftauchte, als der aufgerüstete Elementarteilchen-Beschleuniger am CERN mit ein paar Teraelektronenvolt mehr Energie wieder in Betrieb ging. Angeblich, so befürchtete plötzlich eine immer größer werdende Öffentlichkeit, könnten dort bei den Experimenten Schwarze Löcher entstehen, die erst Genf, dann die Schweiz, und dann die ganze Welt verschlingen.

Wir wurden bitter daran erinnert, dass wir jahrelang den Wissenschaftern dort keine Fragen mehr gestellt haben, was genau sie eigentlich machen. Wir haben das Geld überwiesen und einfach nicht mehr nachgefragt. Und dann musste man glauben, was sie sagten.

Jetzt beim Protest der ORF Redakteure ist es ähnlich. Wir haben jahrelang den Staatsfunk gefördert und betrieben, durch Gebühren, mangelndes Nachfragen und durch Uninteresse an den Mechanismen von Medien und Berichterstattung.

Ein Medienjournal, wie es etwa der Deutschlandfunk als wichtiges Werkzeug des öffentlichen Nachfragens betreibt (Markt und Medien), fehlt bei uns in Österreich. Und jetzt sind wir überrascht, dass das Ungetüm seine weitreichenden Schatten ins Land wirft. Oder besser, wenn wir daran erinnert werden, dass es diese Schatten schon seit langem gibt.

Ein Dank den ORF ZIB-Redakteuren, dass sie uns an die Pflicht des Nachfragens erinnern. 270.000 mal wurde das Protest-Video innerhalb 24 Stunden angesehen. Eine gute Medienberichterstattung wäre eine konstruktive Fortsetzung ihrer vielfältigen Stimme.

*** Lothar Bodingbauer ist freier Mitarbeiter beim Hintergrundsender Österreich 1